Unfair ist mehr – die Elf der Saison

22 Mai

Die Saison ist mit dem Pokalfinale vorbei – Zeit die besten, schlechtesten, kuriosesten und merkwürdigsten Spieler der Saison zu küren.

Leon „Handreasen“

Einen der größten Aufreger hat der Hannoveraner Leon Andreasen besorgt. Gegen Köln wuchtete er den Ball per Oberarm zum Sieg ins Tor. Gefühlt hat sich Andreasen danach wohl wie Maradona – dabei sah er eher aus wie ein Volleyballer. Seine Bewerbung zum unfairsten Spieler der Saison hat er auch in Interviews danach unterstrichen. Aber Karma is a bitch. Andreasen verletzte sich beim Öffnen eines Pakets mit einem Paketmesser und musste operiert werden. Und abgestiegen ist er mit Hannover auch noch.

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Marwin Hitz

Aka der Elfmeterpunktkiller. Wieder Köln, wieder unfair. Vor einem Elfmeter malträtierte der Keeper den Rasen unauffällig vor den Augen des Schiedsrichters. Der Schütze Modeste rutschte aus und Hitz wurde zum kurzfristigen Held. Der Shitstorm danach hatte sich aber gewaschen. Nach einem medialen Inferno musste sich Hitz kleinlaut entschuldigen. Einen Karma-Ausgleich ist er mit dem FCA bisher schuldig geblieben.

Ein-Touch Sulu

Der Darmstädter Kapitän Aytac Sulu ist der Boss. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in der Luft. Der Innenverteidiger schoss sage und schreibe sieben Tore in dieser Saison, also mehr als Ribery und Götze zusammen. Selbstverständlich alle per Standard-Bossmove: hochsteigen, Kopf hinhalten, Klasse halten. Mit diesem Konzept sind die Lilien lockerleicht in der Bundesliga geblieben. Ob im nächsten Jahr weitere Verteidiger-Veilchen in Luftkämpfen dazukommen, ist dagegen noch unklar. Erfolg macht schließlich sexy.

Mats Hummels

Mats macht’s. Der Borusse wechselt zum Feind aus dem Süden und zieht sich damit den Zorn von Fußballdeutschland zu. Aber will man es ihm verdenken? Auch Hummels will einmal auf der Gewinnerseite stehen. In München stellt er die Wettbewerbsverzerrungs-Defensive mit Neuer und Boateng. Das ist schön für München und schlecht für den Rest. Aber hey, Spannung an der Spitze wird sowieso überbewertet. Liebe Dortmunder, gewöhnt euch lieber schon mal an diesen Anblick. Auch wenn es weh tut.

Granit Xhaka

Xhaka hat sich den Beinamen „der Treter“ redlich verdient. Vielleicht nimmt er seinen eigenen Vornamen „Tschaka“ zu wörtlich, vielleicht tritt er einfach gerne Menschen. So oder so hat es der Gladbacher Kapitän geschafft, viermal innerhalb einer Saison gesperrt zu werden. Seiner beeindruckenden Sammlung von Knöchelsplittern und Schienbeinen kann Xhaka in der nächsten Saison noch einige hinzufügen: Sein Wechsel nach Arsenal wird von den englischen Stürmern mit Schrecken erwartet.

Max Kruse

Ach Max. Du hast in dieser Saison Geschichte geschrieben. Nie hatte ein Spieler ein noch schlechteres Image. Deine nackten Tatsachen haben zum Rauswurf aus der Nationalelf geführt, eine tiefe Formkrise verursacht und in Wolfsburg sogar kurzfristig das Thema Abgase verdrängt. Du hast Peniswitze wieder salonfähig gemacht. Vielen Dank für deinen Einsatz. Dein Verein wird dir auch weiter die Stange halten.

Arturo Vidal

Vorgestellt als „der Krieger“ und man muss sagen, Vidal hat geliefert. Im Pokal senste er auch gegen einen Fünftligisten gnadenlos Spieler weg – ein Vidal kennt keinen Schongang. Für ihn spricht, dass er gegen jeden Gegner so gespielt hat. Egal ob Turin, Darmstadt, Madrid oder Dortmund auf dem Plan stand, Vidal kämpfte bis zum Umfallen. Also bis ein Gegner umfällt, was meistens nicht lange dauert. Vidals Motivation in Flaschen verpackt wäre der Verkaufshit, möglicher Konsum könnte aber leicht am irren Blick erkannt werden.

Julian Weigl

Der Youngster sollte einen Thomas-Tuchel-Schrein bauen und täglich ein Opfer bringen. Unter dem Klopp-Nachfolger blühte Weigl auf und gilt als Nachfolger von Schweinsteiger und Gündogan. Der 20-Jährige hat jetzt schon eine bessere Übersicht als Reiner Calmund am Buffettisch und mehr Talent als Calmund Hunger. Weigl könnte ein Grundstein für den neuen BVB werden, also einen mit gewonnenen Finals. Vielleicht wechselt er aber auch für eine Fantastilliarde nach einem weiteren Jahr nach München.

Mario Götze

Supertalent, Weltmeistermacher, Social Media Gott. Fußballerisch war das Jahr leider verschwendet, dafür hast du bärenstarke PR-Auftritte hingelegt. Pep Guardiola hat dich dafür nicht aufgestellt, aber wer will schon spielen. Bänke sind schließlich auch schön, da kommen ja auch die Schubkarren mit Geld jeden Monat an. Vielleicht wird es im nächsten Jahr wieder was. Ancelotti mag dich eher nicht, aber hey, es gibt noch viele Vereine mit Platz für ein bisschen Hollywood. Und ansonsten #gucktGoetze eben weiter.

 

Sandro Wagner

Armer, armer Sandro Wagner. Er verdient laut eigener Aussage nicht nur zu wenig, die Bayern wollen ihnen trotz hartnäckiger Gerüchte auch nicht verpflichten. Sonst ist aber alles gut im Hause Wagner. Er bombte Darmstadt ins Mittelfeld der Liga, baute sich einen Geldspeicher für eine Schwimmübung zwischendurch und ist plötzlich ein Kandidat für Europa-League-Teams. Läuft es im nächsten Jahr noch besser, darf er sich in der nächsten Wagner-Oper selbst verkörpern.

Claudio Pizarro

Der alte Mann und das Tor. Trotz seiner 37 Lenzen war Pizarro die Lebensversicherung der Bremer und sorgte für wichtige Punkte im Abstiegskampf. In seinem fünften Frühling feht „Pizza“ die Geschwindigkeit, das macht er aber mit Eleganz, Technik und begnadetem Spielverständnis wett. Toreschiessen ist wohl wie Fahrrad fahren – ein Claudio Pizarro verlernt es nicht.

Gestenreich – die geheime Sprache der Fußballwelt

26 Mrz

Fußball ist Kunst. Nirgendwo sonst wird so viel geschauspielert und dramatisiert, auch nicht im Theater. Dazu kommen bühnenreife Vorführungen in Gestik und Mimik, die hin und wieder zu Missverständnissen führen können. Aber nicht mit uns. Wir klären auf, was Fußballer mit all ihren Gesten wirklich sagen wollen.

 

 

Der Stinkefinger

Wie wir seit Varoufakis wissen, sendet der Mittelfinger eine ambivalente Botschaft. Als Spieler versucht man so, die gegnerischen Fans zu emotionalerem Beistand zu animieren. In allen bekannten Fällen hat das auch zu durschlagendem Hass/Erfolg geführt. Akteure wie Effenberg und Ronaldo laufen nur bei ausreichend vielen Anfeindungen zu Höchstform auf.

Der Reklamierarm

Noch eine häufig fehlinterpretierte Geste. Der gemeine Torwart will so seine Unterbeschäftigung zum Ausdruck bringen. Durch Meldung an den Schiedsrichter verlangt der Torhüter mehr Ballberührungen. Bekommt er diese nicht, hat er das Recht zur Eckfahne zu laufen und beleidigte Leberwurst zu spielen. Dadurch lassen sich auch Neuers Ausflüge erklären – schließlich hat keiner gesagt, zu welcher Fahne.

 

Der Trikotkuss

Eine vermeintlich klare Geste. Ein Spieler will damit aber eigentlich nur eines ausdrücken: Der Verein ist meine echte Liebe. Bis die nächste Liebe kommt. Und zwar eine mit mehr Geld. Viel mehr Geld. Und Autos. Und Frauen wären auch geil. Aber für den Anfang sollte es mehr Geld eigentlich schon tun. Bei welchem Verein spiele ich gerade? Und wann kommt endlich das Rentenangebot aus China?

 

Das Gefuchtel

Diese Bedeutung dürfte klar sein: Umstellen. Und zwar so, dass es auch funktioniert. Habt ihr meine Handbewegungen nicht gesehen? Dass du 40 Meter entfernt stehst, ist keine Ausrede! Also los, hol dir jetzt diesen Ball und schieb ihn rein! So schwer ist das jawohl wirklich nicht. Schließlich hast du einen super, super Trainer. Mit super, super komplizierten Gesten. Die eigentlich nur von meinem fehlenden Haupthaar ablenken sollen.

Der Djilobodji aka Kopf-ab-Geste

Ein klassisches Missverständnis. Djilobodji wollte seinem Gegner nur klar machen, dass eine Schwalbe hier völlig unangebracht ist. Macht man schließlich in Afrika immer so, sagt zumindest sein Manager Eichin. Wie man in Bremen sonst mit Halsabschneidern umgeht, wollen wir an der Stelle gar nicht wissen. Wahrscheinlich kriegen sie einen Job im Management.

 

Die Unschuldsgeste

Unschuldig im Sinne der Anklage! Schiedsrichter, jetzt mal ernst. Der ist gerade von alleine umgefallen. Wahrscheinlich der Wind. Mein Bein zwischen seinen Beinen hatte damit nichts zu tun. Meine Arme auch nicht, wie soll ein 80kg-Mann denn bitte so leicht fallen. Eigentlich stand ich auch gar nicht sooo nah am Gegenspieler. Und vielleicht bist du auch gar nicht der Schiedsrichter, sondern Manuel Neuer. Aber das würde jetzt zu weit führen.

 

Der Ohrschrauber

Der gemeine Stürmer feiert so seine Tore, will damit aber eigentlich auf ein weit verbreitetes Problem hinweisen: Hörprobleme aufgrund steigenden Alters. Wer sich jahrelang von tausenden Fans in die Ohren brüllen lässt und jede Woche Lärm wie auf einem Rockkonzert ertragen muss, der braucht sich nicht zu wundern. Es gibt Gründe, warum Stürmer nicht bis ins hohe Alter auf dem Platz stehen. Ihren Ohren zuliebe.

Bedingt abwehrbereit – die Bayern in Not

14 Feb

Hiobsbotschaft in München: Nach Boateng, Martinez und Benatia fällt jetzt auch Holger Badstuber aus. Frei nach dem Motto „Mach kaputt, was dich kaputt macht“ könnte die Bundesliga jubilieren – den großen Überbayern gehen die Verteidiger aus. Die Münchner sind nicht nur geschwächt, sie sind verwundbar wie seit Jahren nicht. Und vor dem Spiel gegen Juventus Turin nur bedingt abwehrbereit.

 

Super, super Spieler hat Pep Guardiola genug. Nur super Verteidiger hat er keine mehr. Die Notleihe von Serdar Tasci und die Umschulung von Kimmich reichen für die Bundesliga, international warten aber ganz andere Kaliber. Wer soll einen Dybala oder Morata gegen Juve aufhalten? Von einem Cristiano Ronaldo oder Luis Suarez in einem möglichen Viertelfinale ganz zu schweigen. Pep wird auf eine Dreierkette umstellen und Vidal oder Alonso als Ersatzverteidiger installieren. Dadurch entstehen aber auf anderen Positionen Schwächungen, die sich die Bayern in engen Partien eigentlich nicht leisten können.

Ende von Peps Herrlichkeit

Die Balance des Bayernspiels gerät durch die Umstellungen aus den Fugen. Die Ballsicherheit eines Badstubers oder die Spieleröffnung eines Boatengs lässt sich nicht ersetzen. Guardiola bleibt nichts anderes übrig, als sein System anzupassen. Die anfällige Verteidigung wird viel zusätzliche Arbeit für Manuel Neuer bedeuten. Wie gut der Welttorhüter seinen Job macht, wird das Bayern-Fortkommen stark beeinflussen. Gegen ein formstarkes Barca oder torhungriges Real dürften die Bayern ohne Stammverteidiger nur eine kleine Chance haben. Die Spanier haben erstaunlicherweise seit Jahren keine großen Verletzungsprobleme.

Mensch oder Maschine

Talent, Ehrgeiz und Professionalität reicht nicht aus, um einer der besten Fußballprofis zu werden. Man braucht dazu auch verdammt viel Glück. Die großen Stars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi haben fast unkaputtbare Körper, die zahllose Tritte, Fouls und Belastungen wegstecken können. Und dann gibt es Profis wie Badstuber oder Arjen Robben. Die jeden Tritt spüren. Bei denen jedes Foul das letzte sein kann. Die irgendwie menschlich und ganz sicher verletzbar sind.

Der Glasmensch

Holger Badstuber hat seit 2012 von 170 möglichen Pflichtspielen 25 absolviert. 25. Der arme Holger stand also im Schnitt in jedem siebten Spiel auf dem Rasen. Dazwischen lagen lange Zeiten des Schmerzes und der Ungewissheit – heilt alles gut? Komme ich noch einmal zurück? Seine Krankenakte liest sich dabei wie ein Anatomie-Handbuch. Darunter sind unter anderem ein Bruch des Sprunggelenks, ein Riss des Kreuzbandes und eine Schambeinentzündung. Kurzum: Badstuber hat sich fast alle möglichen Verletzungen schon einmal zugezogen. Was sagt uns das über den Fußball? Profisport hat auch seine Schattenseiten. Für das viele Geld und den Ruhm setzen Sportler ihre Gesundheit aufs Spiel. Fußballer sind trotz aller Vorteile moderne Gladiatoren.

Serena Williams – der Endboss

1 Feb

 

Serena Williams ist die beste Tennisspielerin der Welt, sie dominiert die Konkurrenz seit Jahren nach Belieben. Gegen diese Überathletin musste Angelique Kerber antreten, um ihren Traum vom ersten Grand-Slam-Titel zu verwirklichen. Und sie hat den Endboss besiegt.

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Bosshafte Spielweise

Schon ihre Erscheinungsweise macht jeder Gegnerin deutlich, dass hier nichts zu holen ist. Williams ist durchtrainiert, strahlt extreme Power aus und brüllt ihre Gegnerin nach Winnern in Grund und Boden. Sie hat das Damentennis revolutioniert und die Ära der Power-Spielerinnen eingeläutet. Seit 17 Jahren ist Serena eine Ausnahmeerscheinung, ihr mittlerweile hohes Tennisalter von 34 Jahren scheint sie nicht zu bremsen. Auch nach dieser langen Zeit diktiert sie das Spielgeschehen nach Belieben – doch jeder Diktator kann irgendwann stürzen.

 

The next Steffi Graf

Die härteste Prüfung ihrer Karriere hat Angelique Kerber mit Bravour bestanden. Sie hat die scheinbar unschlagbare Williams im größten aller Spiele bezwungen und die 17-jährige Durststrecke der deutschen Tennisdamen bei Grand Slams beendet. Dabei entnervte sie die Powerfrau Williams mit unbändigem Laufwillen und hervorragendem Defensivspiel – frei nach dem Motto: Ich kann immer einmal öfter als du. Und genau das zeichnet ihr Spiel aus: Sie bestimmt nicht den Spielverlauf, sondern hält den Ball im Spiel. Lange. Bis einer weint oder der Ball im Aus landet. Und weinen musste Kerber erst nach ihrem Sieg.

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Level-Up

Für die neue Williams-Jägerin beginnt jetzt ein neues Leben – als Champion. Kerber ist erwiesenermaßen ein Sieger und zählt bei jedem kommenden Turnier zu den Favoriten. In Deutschland könnte ein neuer Tennis-Boom folgen, allerdings noch nicht in Becker/Graf-Dimension. Dazu müssen noch ein paar Siege folgen. Die Kielerin wird das Werbegesicht 2016 – nach dem Erfolg kommt die Kohle. Kerber hat den Endboss geschlagen und dadurch ein neues Level erreicht – sie ist jetzt ein Champion. Gratulation zum Level-Up. Princess Kerber is now in another castle.

Das GIFs doch gar nicht – Hamburg vs. Bayern in Bildern

23 Jan

Bayernspiele lassen sich unter Guardiola kaum noch mit Worten beschreiben. Deswegen machen wir es jetzt einfach mit Bildern. 90 Minuten in 9 GIFs.

Die Freude auf den Beginn der Rückrunde

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Neuer lässt einen Hunt-Torschuss nur prallen

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Costas Hackentrick über Ostrzolek

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Adlers Notbremse gegen Müller

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Lewandowski am Elfmeterpunkt

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Ilicevics Schauspieleinlage nach Lahm-Streicheleinheit

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Die Suche nach dem Torschützen beim 1:1

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Der Vorsprung der Bayern auf den Rest der Liga

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Labbadias Wutrede nach dem Spiel

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Bayern bildgewaltig, Hamburg ohne Worte. Das GIFs ja doch, nur eben etwas anders.

Pfeil und Drogen – der Kampf um Aufmerksamkeit im Sport

7 Jan

Dart ist eine Eskalationssportart. Die Fans sind sturzbetrunken und in Partylaune, die Sportler sehen eher nach klassischen Kneipensportlern aus und das Werfen von Pfeilen ist eigentlich völlig fernsehuntauglich. Dart hat trotzdem seine Nische gefunden. Warum es andere Sportarten neben König Fußball so schwer haben, zeigen die wunderbaren Pfeileschmeiß-Exzesse.

Party hard

Die Übertragungen der Dart-WM gleichen Ballermann-Partys. Jeder interviewte Fan ist mindestens angetrunken, total gehyped und freut sich einen Keks, im Fernsehen zu sein. Den Stars der Szene scheint die mediale Aufmerksamkeit und die Hingabe der Fans fast ein bisschen peinlich zu sein, was man von Ballermann-Stars hoffentlich auch behaupten kann. Aber im Gesamtpaket funktioniert es tadellos. Neben durchritualisierten Sportarten wie Fußball oder Tennis wirkt Dart wie eine Frischekur, die der geneigte Zuschauer dringend nötig hat.

 

Dart ist bunt, Dart ist laut, Dart ist besoffen gut drauf

Die Live-Übertragung von Trinkeskapaden und Nebenbei-Wurfarien ist dabei vor allem eines: überraschend. Der Zuschauer weiß nicht, was er gleich zu sehen bekommt, pöbelnde Fans inklusive. Diese Unberechenbarkeit und Freude an der Anarchie ist die Stärke von Dart. Und eben genau das, was der Fußball nicht zu bieten hat. Sportarten überleben im Kampf um Aufmerksamkeit neben dem Fußball nur mit Einzigartigkeit oder zumindest deutlichem Anderssein. Beachvolleyball ist für den geneigten Zuschauer unter anderem deshalb so interessant, weil viel nackte Haut zu sehen ist. American Football, weil es richtig kracht.

In der Zeit der immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen dürfen Sportarten nicht zu lange dauern. Sie brauchen schnelle und abfeierbare Höhepunkte. Nichts geht über die zelebrierten Spontanpartys bei einer 180. Die Interessensverschiebung der Fans spüren vor allem Athleten in sehr linearen Disziplinen. Der Leichtathletik könnten in naher Zukunft die Fans ausgehen. Für Darts und anderen heißen Scheiss lässt man sich einfach leichter begeistern.

 

 

Furyos – Ende einer Legende

2 Dez

Samstagabend war ein historischer Abend. Wladimir Klitschko, der Box-Held und scheinbar unverwundbare Gigant ist gefallen. Seine Niederlage lag am Fluch, der alle Sportler irgendwann ereilt: die Zeit.

 

Tyson Fury (27), der neue Weltmeister und Klitschko-Bezwinger ist kein perfekter Boxer. Es gibt stärkere schlagende, technisch versiertere und schnellere Kämpfer. Fury hatte das Glück, genau das richtige Paket für Klitschko zu haben. Der Brite hat eine höhere Reichweite, was Klitschkos Standardtaktik zunichte macht. Der Brite ist wendig, was die fast vierzigjährige Jab-Maschine Klitschko zu erstaunlichen Fehlschlägen verleitet. Und zu guter Letzt ist Fury einfach deutlich schneller. Und das liegt einfach nur am Alter.

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Der Kampf hat gezeigt, dass jede Ära irgendwann ein Ende hat. Die Klitschkos haben das Schwergewichtsboxen über ein Jahrzehnt dominiert, was an ihren athletischen und technischen Fähigkeiten lag. Wladimir und Vitali waren die komplettesten Boxer, die der Sport seit langem gesehen hat. Das hat oft kaschiert, dass auch ein Klitschko altert und langsamer wird. Der Fury-Kampf hat eines offenbart: Auch die ukrainischen Terminatoren sind am Ende nur Menschen.

Auge um Auge, Faust um Faust

Der Abgang von Wladimir war unrühmlich und völlig unerwartet. Ein Champion tritt nicht so ab, sondern mit Pauken und Trompeten. Im Kampfvertrag steht eine Rückkampf-Klausel, die Klitschko sicher ziehen wird. Und dann wird er noch ein letztes Mal alles geben, bevor er sich endgültig vom Boxsport verabschiedet. Es wird ein triumphaler K.O. oder ein blutiges Ende auf der Matte – noch eine Runde Schachboxen wird es nicht geben. Seine Zeit ist gekommen.

Klitschko

Dr. Schwarzenegger

Nach dem Kampf ist vor dem Kampf, zumindest im Hause Klitschko. Vitali ist nach seiner Karriere Bürgermeister von Kiew geworden, Wladimir stehen ebenso alle Wege offen. Ob er das politische oder mediale Schlachtfeld sein zukünftiges Zuhause nennt, dürfte hier die interessanteste Frage sein. Man stelle sich Klitschko nur einmal als Schauspieler vor – einen besseren Bösewicht kann man sich nicht malen. So oder so, was ein Klitschko anpackt, wird schlagartig zum Erfolg.

 

 

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